Sonnenschutzglas im Passivhaus – welche Werte sind entscheidend?

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Ein Passivhaus ist mehr als ein energieeffizientes Gebäude – es ist ein fein abgestimmtes System aus Wärmeleitung, Strahlung und Tageslicht. Jede Oberfläche, jedes Fenster, jede Verglasung beeinflusst das Gleichgewicht zwischen Energiegewinn und Komfort.

Während Wände und Dächer Wärmeverluste minimieren, ist Glas die „aktive“ Komponente der Hülle: Im Winter liefert es Sonnenwärme, im Sommer muss es sie abwehren. Damit wird Sonnenschutzglas zu einem zentralen Baustein des Passivhauskonzepts. Doch welche Kennwerte sind entscheidend – und wie findet man das richtige Gleichgewicht?

Sonnenschutzglas entdecken

Wichtige Kennwerte: U-, g- und LT-Wert

Drei Werte bestimmen, wie Glas im Passivhaus wirkt:

  • U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) gibt an, wie viel Wärme nach außen entweicht. Passivhaus-Fenster dürfen höchstens 0,8 W/(m²K) aufweisen.
  • g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) zeigt, wie viel Sonnenenergie nach innen gelangt. Er entscheidet über Heizgewinne im Winter und Überhitzung im Sommer.
  • LT (Lichttransmission) steht für die Durchlässigkeit sichtbaren Lichts – je höher, desto heller der Raum.

Das Verhältnis LT/g = Selektivität beschreibt die Effizienz: Je größer der Quotient, desto mehr Licht bei weniger Wärme. Selektivitäten über 1,6 gelten als besonders hochwertig.

Sonnenschutzglas und Passivhaus – das optimale Zusammenspiel

Passivhäuser profitieren im Winter von hohen g-Werten (etwa 0,5), müssen im Sommer aber solare Überhitzung vermeiden. Die Verglasung muss also beides können: Energie durchlassen und abhalten.

In der Praxis entstehen optimale Ergebnisse, wenn mehrere Werte aufeinander abgestimmt werden: U-Wert, g-Wert, LT und Fc-Wert (Verschattungsfaktor).
Je nach Orientierung empfehlen sich:

  • Südseiten: g ≈ 0,45 – 0,55 (hohe Wintergewinne, gute Tageslichttransmission)
  • Ost / West: g ≈ 0,25 – 0,35 (geringer Wärmeeintrag bei flacher Sonne)
  • Nord: g ≈ 0,55 – 0,65 (kein Sonnenschutz nötig, Fokus auf Licht)

Das bedeutet: Nicht jede Fassade braucht dasselbe Glas. Eine differenzierte Verglasungsstrategie nach Orientierung ist effizienter als ein „Ein-Glas-für-alles“-Ansatz.

Wie Sonnenschutzglas Energie steuert

Spektrale Selektivität statt Spiegeleffekt

Moderne Sonnenschutzgläser filtern gezielt nach Wellenlänge. Feinste metallische Low-E- und Low-g-Beschichtungen reflektieren Infrarotstrahlung, lassen aber den sichtbaren Anteil der Sonnenstrahlung nahezu ungehindert passieren.
So bleibt das Tageslicht erhalten, während Wärmestrahlung draußen reflektiert wird – eine hohe Tageslichttransmission bei niedrigem g-Wert

Was ist der g-Wert?

Aktuelle Systeme erreichen Ug ≈ 0,6 – 1,0 W/(m²K) und g ≈ 0,25 – 0,46, bei LT ≈ 40 – 70 %.
Damit erfüllt das Glas sowohl die Wärmeschutzanforderung als auch den sommerlichen Komfort.

Beispielhafte Systeme

Beispielhafte Produkte wie die SOLARLUX® A- und D-Reihe von ISOLAR® zeigen, wie fein die Abstufung moderner Sonnenschutzgläser ist.
Die Werte reichen von g = 0,23 bis 0,46 bei LT = 40 – 70 %, was eine flexible Anpassung an Ausrichtung und Nutzung erlaubt – und das in neutraler Farbgebung ohne Spiegelwirkung.

Verschattung – das zweite Steuerungselement

Selbst selektives Glas braucht Unterstützung. Außenliegende Raffstoren, Screens oder Dachüberstände verhindern, dass Strahlung überhaupt auf die Scheibe trifft.

Der Fc-Wert (Verschattungsfaktor) zeigt die Wirksamkeit: Ein außenliegender Raffstore mit 75° Lamellenstellung erreicht Fc ≈ 0,07, innenliegende Rollos dagegen nur ≈ 0,7. Noch eleganter sind integrierte Lösungen wie SOLARLUX® variodirekt, bei denen eine Jalousie im Scheibenzwischenraum sitzt – wartungsfrei, windfest und regelbar zwischen g_eff ≈ 0,25 und 0,07.

So wird die Verschattung Teil der Verglasung – und damit integraler Bestandteil der Gebäudehülle.

Normen und Zertifizierung

Planer:innen orientieren sich an folgenden Regelwerken:

  • DIN EN 410 – Messung von Licht- und Energiedurchlass
  • DIN EN 673 / ISO 10077 – Berechnung der U-Werte
  • DIN 4108-2 – Sommerlicher Wärmeschutz und Nachweis über Fc-Wert

Das Passivhaus-Institut (PHI) klassifiziert Glas nach g/Ug und LT/g.
Für Mitteleuropa (Klimazone 3) gelten: Ug ≤ 0,8 W/(m²K), g/Ug ≥ 0,65, LT/g ≥ 1,6.
Solche Kennwerte sichern eine harmonische Balance zwischen Transparenz und Wärmeschutz.

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Planung aus einem Guss

In der Entwurfsphase sollten Verglasung, Orientierung und Verschattung gemeinsam gedacht werden.
Simulationen mit PHPP zeigen frühzeitig, ob Übertemperaturen > 25 °C auftreten – und wie sie durch g-Wert oder Fc-Wert-Anpassung vermeidbar sind.

Wichtig ist zudem der konstruktive Anschluss: Randverbünde mit „warmer Kante“, dreifache Dichtungsebenen und luftdichte Montage (n₅₀ < 0,6 /h) verhindern Wärmebrücken.

Das Ziel ist stets dasselbe: eine Hülle, die Energie nicht speichert, sondern steuert.

Wirtschaftlichkeit und Förderung

Sonnenschutzglas kostet mehr als Standard-Dreifachverglasung – in der Regel +20 bis 40 %. Doch die Investition rechnet sich: geringere Kühllasten, stabilere Raumtemperaturen und höhere Tageslichtqualität. Förderfähig ist das Ganze über die BEG WG – Einzelmaßnahmen (früher KfW / BAFA), sofern die Grenzwerte des Passivhausstandards eingehalten werden. Zudem steigert eine durchdachte Glaswahl den Immobilienwert und die Langzeitbehaglichkeit.

Nachhaltigkeit und Zukunftstechnologien

Sonnenschutzglas ist längst Teil der Klimastrategie.

Recyclingfähige Rohstoffe, EPD-zertifizierte Produkte und regionale Fertigung reduzieren die graue Energie. ISOLAR® setzt bei SOLARLUX® auf ressourcenschonende Fertigungsverfahren und optionale Funktionen wie Schallschutz, Alarm- oder Vogelschutzglas – ein Aspekt, den auch Architekt:innen zunehmend nachfragen.

Die nächste Generation setzt auf elektrochrome und thermochrome Gläser, deren Transmissionsgrad sich automatisch anpasst.
In Verbindung mit BIPV-Glas (gebäudeintegrierter Photovoltaik) entsteht eine neue Kategorie: Sonnenschutz, Tageslicht und Energiegewinnung in einer Funktion.

Balance statt Kompromiss

Sonnenschutzglas im Passivhaus ist kein Zubehör, sondern eine energetische Schlüsselkomponente.
Es balanciert Wärme, Licht und Komfort – und entscheidet darüber, ob ein Gebäude seine Effizienz behält oder verliert.

Die Formel für Planer:innen lautet:

Ug ≤ 0,8 W/(m²K) × g ≈ 0,45 × LT > 60 % × Fc < 0,10

Wer diese Parameter integriert und standortgerecht kombiniert, erreicht eine Gebäudehülle, die sich aktiv an das Klima anpasst – ohne den Blick nach draußen zu verlieren.

FAQ

Was unterscheidet Sonnenschutz- von Wärmeschutzglas?

Wärmeschutzglas reduziert den Wärmeverlust, Sonnenschutzglas zusätzlich den Wärmeeintrag. Selektive Beschichtungen kombinieren beide Eigenschaften.

Welcher g-Wert ist optimal im Passivhaus?

Süd: 0,45–0,55 / Ost-West: 0,25–0,35 / Nord: 0,55 – 0,65.

Wie wirkt sich Verschattung aus?

Außenliegende Systeme reduzieren den g_eff auf unter 0,10 – innenliegende fast nicht.

Ist Sonnenschutzglas förderfähig?

Ja, über BEG WG – Einzelmaßnahmen bei nachgewiesener Effizienzverbesserung.

Welche Rolle spielt Vogelschutzglas?

Es verhindert Kollisionen an großen Fassadenflächen und gilt als nachhaltiges Planungsmerkmal.

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