Um die mögliche Wahrnehmung von Beschichtungen und Mustern auf vogelfreundlichen Verglasungen zu beurteilen, werden die Glasscheiben in einem Flugtunnel eingebaut und in standardisierten Wahlversuchen geprüft. Dazu werden in der freien Natur Vögel gefangen (Wildvögel) und einmalig in einem Flugtunnel fliegen gelassen. Instinktiv fliegen diese der vermeintlichen Öffnung entgegen. Dort befinden sich zwei Glaselemente nebeneinander eingebaut. Eine Referenzverglasung (in der Regel eine klare Floatglas-Scheibe) und die zu prüfende Testscheibe. Vor der Verglasung befindet sich noch ein feines Netz, welches die Kollision der Vögel mit der Glasscheibe verhindert. Um ein statistisch aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen, werden für jede Prüfung mindestens 80 Testvögel benötigt.
Auch der grundlegende Aufbau der Flugtunnel ist weltweit ähnlich. Sie unterscheiden sich jedoch im Detail. So wird bei manchen Tunneln zusätzliches Licht in die Tunnelröhre eingebracht, um z. B. Reflektionen auf der Glasoberfläche zu erzeugen. Des Weiteren können bei der Prüfung unterschiedliche Lichtverhältnisse des dahinterliegenden Raums geschaffen werden. Global und auch auf europäischer Ebene gibt es bisher keine einheitlichen Normierungen dieser Prüfungen.
Die Prüfungen im Flugtunnel funktionieren weltweit auf dem Prinzip des Wahlversuchs. Die Testeinrichtungen werten die Flugrichtung eines jeden Vogels aus und ermitteln auf diese Art und Weise die Anzahl der Vögel, welche gegen die Referenzscheibe bzw. die Testscheibe fliegen würden. Das Verhältnis in welchem die Vögel auf die unterschiedlichen Glasscheiben fliegen, erlaubt den Vergleich unterschiedlicher Testscheiben untereinander, sowie die Einordnung der Wirksamkeit anhand einer Bewertungsskala.
Bei einer Anprallrate von 50% / 50% fliegen gleichviele Vögel auf die Test- bzw. Referenzscheibe (Normalverteilung). Es ist also keine Wirksamkeit ersichtlich. Eine statistisch signifikante Abweichung von der Normalverteilung stellt sich ab einer Anflugrate von über 60% auf die Referenzscheibe ein und es ist somit eine gewisse Wirksamkeit erkennbar. Würde das Ergebnis 100% (Anflüge auf die Referenzscheibe) lauten, würde kein Vogel mehr gegen die Testscheibe fliegen, allerdings ist dies bisher mit keiner geprüften Testscheibe erzielt worden. Aufgrund der fehlenden Standardisierung von Testbedingungen und Bewertungskriterien (global wie auch auf europäischer Ebene) werden von verschiedenen Testeinrichtungen unterschiedliche Bewertungsskalas verwendet, um die Wirksamkeit einer Testscheibe im Test zu ermitteln. Damit verbundene Bezeichnungen wie „Wirksam“ und „Hochwirksam“ sind daher nur bedingt vergleichbar. Die Anflugrate ist wohl jene Kennzahl, welche den besten Aufschluss über die Wirksamkeit im Test gibt.
Für die Glasindustrie ist es unmöglich alle Glaskombinationen und Funktionsschichten in Flugtunneln zu testen. Bedenkt man die unterschiedlichen Glasstärken (3-15mm), Glassubstrate (Float Glas, eisenoxidarmes Glas, Weißglas), Kombinationen in Verbundgläsern, Aufbauten im 2fach und 3fach Isolierglas, die unterschiedlichen Scheibenzwischenräume, Funktionsbeschichtungen und vogelfreundliche Markierungen und Beschichtungen, so ergeben sich mehrere 100.000 Kombinationsmöglichkeiten. Aus folgendem Grund haben einige Prüfinstitute, basierend auf empirischen Werten, gewisse Kombinationsregeln erstellt. So können in Anlehnung an getestete Aufbauten die Glasdicke, Scheibenzwischenraum-Breite, das Glas-Substrat (Float- oder Weißglas) und die Anzahl der Folien beim VSG variiert werden. Der Typ und die Lage der im Test definierten Beschichtungen darf nicht verändert werden.