Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI – einfach erklärt, technisch richtig

ISOLAR ARDOREX Isolar Stadtwerke Muenchen

Warum diese drei Buchstaben über Sicherheit entscheiden

Im Brandfall zählt jede Minute. Flammen, Rauch und Hitze müssen gestoppt werden, bevor sie sich ausbreiten. Damit das gelingt, werden Bauteile nach festen Regeln geprüft – unter anderem nach der europäischen Norm EN 13501-2.

Die sogenannten Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI geben an, wie lange ein Bauteil – etwa eine Wand, Tür oder Verglasung – im Feuer seine Funktion behält. Sie sind das Sprachsystem des Brandschutzes. Wer sie versteht, kann Gebäude sicher planen und Genehmigungen souverän vorbereiten.

Was bedeuten E, EW und EI?

Die Kürzel wirken abstrakt, sind aber leicht zu verstehen:

  • E = Raumabschluss

Das Bauteil bleibt dicht. Es verhindert, dass Flammen oder heiße Gase durchdringen.

  • W = Strahlungsbegrenzung

Es begrenzt die Wärmestrahlung, die sonst Menschen oder Materialien auf der Rückseite gefährden könnte.

  • I = Wärmedämmung

Hier wird gemessen, dass gewisse Grenztemperatur auf der kalten Seite nicht überschritten werden dürfen. Wenn Buchstaben kombiniert werden, zeigen sie die geprüfte Klassifizierung:

E 30, EW 60 oder EI 90 – die Zahl steht für die Minuten Feuerwiderstand.

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Wie werden Feuerwiderstandsklassen geprüft?

Bei einem Brandversuch wird eine Wand, Tür oder Verglasung einseitig nach entsprechender Einheitstemperaturkurve (ETK) befeuert.

Die Temperatur im Prüfofen steigt in wenigen Minuten auf über 800 °C.

Die Kriterien sind klar definiert:

  • E: keine Flammen, kein Rauch, keine Öffnungen,
  • W: Wärmestrahlung ≤ 15 kW/m²,
  • I: Temperaturanstieg ≤ 140 °C im Durchschnitt bzw. ≤ 180 °C an einem einzelnen Punkt.

Schafft das Bauteil diese Bedingungen über 30, 60 oder 90 Minuten, erhält es die entsprechende Klassifizierung. Ein Glas mit EI 90 bleibt also mindestens 90 Minuten funktionsfähig – auch auf der kühlen Seite.

Wie lange hält EI 60 wirklich stand?

EI 60 bedeutet: Das Bauteil hält mindestens 60 Minuten Feuer und Hitze stand, ohne dass die Temperatur auf der Rückseite gefährlich ansteigt. In realen Brandversuchen erreichen geprüfte Systeme oft sogar 70 bis 75 Minuten – ein Sicherheitsplus, das in der Planung berücksichtigt werden darf.

Warum diese Einteilung so wichtig ist

Feuerwiderstandsklassen sind kein Formalismus. Sie entscheiden, wie viel Zeit Menschen zum Verlassen eines Gebäudes haben und ob ein Brandüberschlag verhindert wird. Gerade in modernen Bauten mit viel Glas oder offenen Grundrissen sind sie unverzichtbar.

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Wann reicht EW 30 aus?

In europäischen Normen genügt in bestimmten Bereichen EW 30. Diese Klasse hält Strahlungswärme zurück, sodass Fluchtwege sicher bleiben. In Deutschland wird die Klasse EW allerdings kaum bauaufsichtlich gefordert und ist nicht geregelt. Sie wird hier lediglich zur vollständigen Übersicht erwähnt.

Normen und rechtlicher Rahmen

Die EN 13501-2 regelt europaweit, wie Bauteile klassifiziert werden. In Deutschland übernimmt die Musterbauordnung (MBO) diese Einteilung und unterscheidet zwischen feuerhemmend, hochfeuerhemmend und feuerbeständig – je nach Zeitstufe.

Die konkreten Anforderungen ergeben sich jedoch aus den jeweiligen Landesbauordnungen und können regional variieren. Darum ist die korrekte Klasse immer Bestandteil der Bauartgenehmigung und muss in der Planung exakt angegeben werden.

Typische Richtwerte (je nach Bundesland unterschiedlich):

  • Treppenräume und Fluchtwege: mindestens EI 30,
  • Brandabschnitte zwischen Nutzungseinheiten: meist EI 90 – EI 120,

Unterschiede auf einen Blick

So einfach lässt sich sagen: E stoppt das Feuer, EW hält Abstand, EI bleibt kühl.

Wie Planer die richtige Klasse wählen

Die Entscheidung richtet sich nach Nutzung, Personenaufkommen und Nachbarsituation:

  1. E-Bauteile: Technikräume, Lager, Trennwände ohne Aufenthaltsbereiche dahinter.
  2. EW-Bauteile: nur in Ländern, in denen diese Klasse bauaufsichtlich verwendet wird.
  3. EI-Bauteile: Archive, Laborräume, Rettungswege – überall dort, wo Temperaturübertragung kritisch wäre.

Je dichter die Nutzung und je wertvoller der Inhalt, desto höher sollte die Klasse gewählt werden.

Achtung: Die Planung und Umsetzung von Brandschutzverglasungen sind in Deutschland länderrechtlich geregelt und können von Bundesland zu Bundesland stark voneinander abweichen.

Praxisbeispiel: Verglasung im Brandabschnitt

Eine raumhohe Verglasung trennt den Flur von einem Büro.

Hier bietet ein System der Klasse EI 60 zuverlässigen Schutz: Die Glasscheiben bleiben 60 Minuten dicht, die Hydrogel-Zwischenschicht verdampft – und bildet eine isolierende Barriere. Auf der kühlen Seite bleibt es unter 140 °C – Menschen können passieren, Materialien entzünden sich nicht.

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Warum Hydrogel im Brandfall so wirksam ist Hydrogel-Systeme verdampfen bei Hitze.

Das entstehende Wasser dämpft die Temperatur, die Schicht wird milchig und isoliert. So bleibt der Raumabschluss erhalten, ohne dass das feuerabgewandte Glas zerspringt. Diese Produkteigenschaft hat sich in modernen EI-Systemen bewährt – sicher, transparent und wartungsfrei.

Moderne Brandschutzsysteme sind Multitalente:

  • Wärmedämmung: Ug-Werte bis 0,5 W/(m²K) senken Heizkosten.
  • Schallschutz: geprüft bis 46 dB Rw – ideal für Büros oder Kliniken.
  • Lichttransmission: bis 86 % – helle Räume trotz Sicherheit.
  • UV-Beständigkeit: keine Eintrübung der Brandschutzverglasung
  • UV-Durchlässigkeit: positiv für Pflanzenwachstum und Wohlbefinden

Diese Werte erreichen geprüfte Glasaufbauten nach EN 673, EN 410 und EN ISO 717-1. Sie zeigen: Brandschutz muss nicht schwer oder dunkel sein.

Nachhaltigkeit und Zukunft

Brandschutzglas wird zunehmend zu einem nachhaltigen Bauteil. Neue Hydrogel-Systeme sind recyclebar, die Holz- oder Metallrahmen wiederverwertbar. Dazu kommen lange Lebenszyklen und kombinierte Funktionen: Ein Glas schützt nicht nur vor Feuer, sondern auch vor Lärm und Energieverlust. So entsteht echte Mehrfachnutzung – ein entscheidendes Argument in der modernen Architektur.

Sicherheit verstehen, richtig planen

Feuerwiderstandsklassen E, EW und EI sind mehr als Buchstaben. Sie beschreiben, wie lange ein Bauteil Leben schützt. Wer sie richtig einsetzt, erfüllt nicht nur Normen, sondern schafft Vertrauen – bei Nutzern, Behörden und Investoren. Weitere technische Informationen zu geprüften Glas-Systemen der Klassen EI 30 bis EI 120 finden Sie bei ISOLAR ARDOREX® Brandschutzglas www.isolar.de

FAQ

Was bedeutet E in der Feuerwiderstandsklasse?

E steht für Raumabschluss. Das Bauteil verhindert, dass Feuer und Rauch durchdringen.

Was ist der Unterschied zwischen EW und EI?

EW reduziert zusätzlich die Wärmestrahlung, EI begrenzt außerdem den Temperaturanstieg auf der Rückseite – für maximalen Schutz.

Welche Zeitstufen gibt es?

Üblich sind 30, 60, 90 und 120 Minuten. Die Zahl zeigt, wie lange das Element im Prüfofen standhält.

Wie funktioniert Brandschutzglas?

Im Inneren befindet sich ein Hydrogel. Im Brandfall verdampft das Wasser darin und isoliert. So bleibt die Rückseite kühl und sicher.

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