ISOLAR® Symposium: Glasexperten aus Wissenschaft und Praxis im Austausch

VON PRODUKTION BIS PERFEKTION: FLOATGLASHERSTELLUNG UND ISOTROPIE-MESSTECHNIK

Unter dem Motto „Glas von Anfang an“ fand Ende Februar in der Glashütte von Euroglas in Osterweddingen das dritte Große ISOLAR Symposium statt. Dort gab es für die rund 100 Teilnehmer exklusive Einblicke in den beeindruckenden Herstellungsprozess von Floatglas. Auch eine wegweisende neue Messtechnik zur Reduzierung von Anisotropien wurde präsentiert. Abgerundet wurde das Veranstaltungsprogramm durch diverse Fachbeiträge rund um das Thema Glas und die Möglichkeit zu Diskussion und gegenseitigem Austausch.

 dem Großen ISOLAR Symposium soll nicht nur über aktuelle Trends der Glasbranche informiert werden. „Für die Entwicklung und die Produktion von hoch leistungsfähigen Spezialgläsern ist ein regelmäßiger Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis unverzichtbar“, sagt Hans-Joachim Arnold, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ISOLAR GLAS Beratung (IGB). Als eine der größten europäischen Vereinigungen mittelständischer Hersteller von Mehrscheiben-Isolierglas fördere ISOLAR durch das Symposium genau diesen Dialog. Rund 100 Teilnehmer waren in Osterweddingen dabei, darunter ISOLAR Partner und ihre Kunden, etwa Metall- und Fassadenbauer sowie Glasverarbeiter.

GLAS VON ANFANG AN – BETRIEBSBESICHTIGUNG BEI DER EUROGLAS AG

Die wenigsten Beschäftigten aus der Glasbranche sind mit dem Herstellungsprozess von Floatglas vertraut. Um diese Wissenslücke zu schließen, fand in der Glashütte von Euroglas für die Teilnehmer des Symposiums eine Betriebsbesichtigung statt. Eindrucksvoll wurde demonstriert, wie das Rohstoffgemenge aus Quarzsand, Kalk und Soda bei einer Temperatur von mehr als 1.550 °C geschmolzen wird. „Anschließend läuft die heiße Glasmasse in ein flüssiges Metallbad über und fließt zu einem endlosen Glasband“, erläutert Carl Pinnekamp, stellvertretender Vorsitzender der IGB und Geschäftsführer von Teutemacher Glas. Daher ergebe sich auch der Name „Floatglas“. Abgekühlt wird es schließlich auf die Standardabmessungen geschnitten und abgestapelt.

ANISOTROPIE – ZUFALL ODER QUALITÄTSKRITERIUM?

Der Nachmittag begann mit einem Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider vom Institut für Statik und Konstruktion der TU Darmstadt zum anspruchsvollen Thema „Was ist Anisotropie?“. Zunächst erläuterte Schneider das Phänomen der optischen Unregelmäßigkeiten in thermisch vorgespannten Gläsern. Diese werden in polarisiertem Licht sichtbar und als störend wahrgenommen. Bislang galten Anisotropien als produktionsbedingt und nicht vermeidbar.

Hermann Dehner, Produktmanager bei arcon, präsentierte nachfolgend mit dem „StrainScanner“ eine neue Messtechnik: Diese trägt dazu bei, den Vorspannprozess zu optimieren und sichtbare Anisotropien so deutlich zu reduzieren. „Thermisch vorgespannte Gläser sind aufgrund ihrer verbesserten Eigenschaften gegenüber unbehandeltem Floatglas aus der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken. Mit dem StrainScanner ist erstmals eine automatische und objektive Inline-Messtechnik verfügbar, die eine nahezu perfekte Vorspannung von Gläsern ermöglicht“, so Dehner. Beim Verlassen der Vorspannanlage werden die Glasscheiben spannungsoptisch in Echtzeit vermessen und hinsichtlich der Anisotropie bewertet. „Anhand der Messergebnisse kann der Prozess gezielt optimiert werden – und höchste Vorspannqualitäten werden reproduzierbar“, führt Dehner weiter aus.

Der StrainScanner ist das Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von arcon, der Technologiemarke der Unternehmensgruppe Arnold Glas, und der Firma ilis aus Erlangen, einem führenden Anbieter von Messtechnik zur automatischen und objektiven Bestimmung von Restspannungen in Glas. Das Funktionsprinzip wurde anhand eines um den Faktor zehn verkleinerten Modells des StrainScanners vor Ort demonstriert.

SILIKONVERKLEBUNGEN UND 3D-DRUCK IM BAUWESEN

Yves Staudt von der TU Darmstadt erläuterte die Relevanz des mechanischen Verhaltens von Silikonverklebungen im Fassadenbau – ein Werkstoff, bei dem insbesondere das Dehn- und Bruchverhalten für den optimierten Einsatz an der Fassade noch genauer erforscht werden muss. Ein weiterer Mitarbeiter des Instituts für Statik und Konstruktion der TU Darmstadt, Ir. Christopher Borg Constanzi, referierte über die Einsatzmöglichkeiten von 3D-Druck am Bau. Zuletzt wurden anstehende Änderungen in der Glasbemessung als Vortragsthema von Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider aufgegriffen.

„Die Forschung und Praxis rund um Glas als Baustoff ist sehr vielseitig. Einige der wichtigsten haben wir heute thematisiert und diskutiert“, resümiert Albert Schweitzer, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Arnold Glas. Dieser Austausch sei notwendig, um wissenschaftliche Erkenntnisse besser in leistungsfähige Produkte einzubringen.

WEGE AUS DER PREISFALLE

„Der steigende Preisdruck ist ein ewiges Thema in der Glasbranche“, stellt Hans-Joachim Arnold fest. Umso wichtiger sei, dass man Methoden und Strategien entwickele, die einem in Preisverhandlungen einen Vorteil verschaffen. Diesen Versuch unternahm Markus Milz, Geschäftsführer der Milz & Comp. GmbH. Der Verkaufstrainer aus Köln eröffnete mit seinem Impulsvortrag „Es gibt immer einen, der es billiger macht – Wege aus der Preisfalle“ verkaufsfördernde Perspektiven und Ansätze für erfolgreichere Preisverhandlungen.

Auch Hans-Joachim Arnold riet den ISOLAR Partnern zu mehr Mut beim Thema Preis. „Gute Qualität ist einen fairen Preis wert – wir müssen bei Preisverhandlungen mehr Selbstvertrauen gewinnen“, bekräftigt der Aufsichtsratsvorsitzende.

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